Erfahrungen mit der kombinierten Nutzung eines Vista HC X und eines Galaxy S II mit Locus Pro

Navigation mit Smartphone als Alternative oder Ergänzung zum Navigationsgerät?
Erfahrungen mit der kombinierten Nutzung eines Garmin etrex Vista HC X und eines SAMSUNG Galaxy S III mit Locus Pro.

Pros des Smartphone
• Großer Bildschirm, einfach zu bedienen, schnell
• Vielfältige Funktionen, großes Angebot an APPs (LOCUS, Naviki,Radroutenplaner,Scout, GPS Ticker,…)
• Immer zur Hand
Cons des Smartphones
• Per se nicht für die Nutzung im Freien geeignet!
• Teuer (i.S. von wertvoll), u.U. mit persönlichen, besonders schützenswerten Daten bestückt
Das Smartphone ist heute bei vielen von uns ständiger Begleiter. Wir haben uns die Universallösung schon immer gewünscht, ob als Schweizermesser zum Überleben in der Wildnis (oder den einheimischen Wäldern), das Fahrradwerkzeug kompakt und alles umfassend in einem Multitool (mit ADFC-Logo) oder eben das Smartphone als der universelle „Private Digital Assistant“, mit dem wir telefonieren, fotografieren, googlen, surfen und eben auch navigieren. Wie gut aber ist das Smartphone für die Verwendung als Navigationshilfe für Fahrrad-Wanderer (neudeutsch Trekking Biker) geeignet?

Seit Anfang 2011 bin ich Nutzer von Android-Smartphones – angefangen habe ich mit einem HTC Desire HD mit Android 2.x und seit einigen Wochen nutze ich ein Samsung Galaxy S III mit Android 4.x. Zwei Jahre früher hatte ich mir für die Navigation beim Radeln und Wandern das Garmin etrex Vista HC X zugelegt.

Mit dem Garmin bin ich sehr zufrieden. Die Routing-Funktion nutze ich nur sehr selten. Vielmehr Spaß macht es mir, eine Route am PC-Bildschirm zu planen und als Track auf das Garmin zu laden, um dann dem Track zu folgen. Der leise Piepston, mit dem das Gerät meine Aufmerksamkeit anfordert, reicht, um mich mit einem kurzen Blick auf das Gerät zu orientieren und bei nächster Gelegenheit den richtigen Weg zu wählen. Die Ablesbarkeit ist sehr gut, das Verändern des Maßstabs und anderer Funktionen mittels Tasten funktioniert bei Regen und auch bei tiefen Temperaturen mit Handschuhen einfach und sicher. Für die Ausarbeitung und spätere Auswertung sowie die Archivierung der Tracks verwende ich sowohl den Tourexplorer 25 Deutschland V6 (Magicmaps FlyAway) als auch Basecamp mit OSM. Beide Anwendungen haben ihre Vor- und Nachteile, auf die hier nicht eingegangen werden soll.
Wie kommt nun das Smartphone ins Spiel? Das Garmin etrex hat einen extrem kleinen Bildschirm. Um sich mit Hilfe eines größeren Kartenausschnitts zu orientieren, muss ein großer Maßstab gewählt werden, bei dem aber viele notwendige Informationen nicht angezeigt werden. Verschieben des Ausschnitts ist zudem sehr langsam. Hier bietet das Smartphone mehr Komfort. Der Bildschirm ist groß, beim Samsung etwa viermal so groß wie beim Garmin, die Darstellung hervorragend und Verschieben sowie Maßstabänderung des Kartenausschnitts geht schnell und bequem dank Touch-Screen-Bedienung. Daher nutze ich das Samsung um mich von Zeit zu Zeit oder an interessanten Wegmarken zu orientieren und über Details zu informieren. D. h. z. B. um herauszufinden, ob es in der näheren oder auch ferneren Umgebung noch lohnenswerte Ziele gibt. Dazu kann man das bei Android schon mitgelieferte Google Maps nutzen. Ich habe mich für das App LOCUS Pro entschieden. Dieses kleine Programm hat einen sehr großen Funktionsumfang, ist aber trotzdem sehr „aufgeräumt“. Mit OSM Cyclo ist es die perfekte elektronische Landkarte für unterwegs im „Westentaschenformat“. Da nicht überall (Wald, Schluchten, etc.) von gutem Mobilfunkempfang auszugehen ist und Datenverkehr je nach Vertrag zusätzliche Gebühren kostet, kann man sich den Kartenausschnitt von dem Gebiet, in dem man plant unterwegs zu sein, in der Vorbereitung auf das Smartphone herunterladen; am besten natürlich, wenn man WLAN-Empfang hat.
Das Programm LOCUS unterstützt eine Vielzahl von Karten; neben diversen on-line-Karten (verschiedene OSM-Formate, unterschiedlich Karten von anderen Ländern), auch eigene Karten (offline). Vektor- und WMS-Karten. Tracks können aufgezeichnet werden, vorhandene Tracks können, wie beim Garmin als Leitspur verwendet werden und das Programm kann „navigieren“, d. h. eine Route ermitteln und entsprechend leiten. Außer LOCUS gibt es eine Vielzahl von Navi Apps – sowohl für iOS (Apple) als auch Android Smartphones.
Meine Entscheidung das Smartphone als elektronische Karte und lediglich für adhoc Navigation zu nutzen beruht in erster Linie auf der Praktikabilität des Smartphones im Outdoor-Bereich. Die heute marktgängigen Smartphones sind nicht für die Outdoor-Navigation gebaut. Bei Sonnenschein heißt es ab in den Schatten – auf dem Bildschirm ist sonst nichts zu erkennen. Die geringe Akku-Laufzeit ist hinlänglich bekannt. Da ich mein Smartphone auch beruflich nutze, ist jedes Mal zum Entsperren die Eingabe eines Passworts erforderlich – die Sperre aktiviert sich nach kurzer Zeit, um die privaten und Firmen-Daten zu schützen. Natürlich kann man das Smartphone mit einer Schutzhülle vor den Umwelteinflüssen schützen und den Akku über den Dynamo laden. Aber das ist mir alles zu umständlich. Ich nutze das Smartphone ja auch nicht um diesen Text zu erstellen, sondern nutze dazu mein Notebook. Auch ein Schweizermesser ersetzt nicht den Werkzeugkasten zu Hause.
Ich bitte um Zu- und Widerspruch - auf jeden Fall würde ich mich über den Erfahrungsaustausch am GPS-Stammtisch oder in Form von Kommentaren zu diesem Artikel freuen; gerne lerne ich -„ergebnisoffen“ – dazu.

Hubert Blankenberg

Oktober 2012



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